Air Berlin - Chronik einer angekündigten Insolvenz (2/2)

Der zweite Teil der Chro­no­lo­gie beschäf­tigt sich mit dem Fort­gang des Insol­venz­ver­fah­rens, der Mil­li­ar­den-Klage gegen Eti­had und den Fol­gen für die Betei­lig­ten. Hier fin­den Sie den ers­ten Teil der Air Ber­lin Chro­nik.

Inhalts­ver­zeich­nis


2018

8. Januar – Niki-Insol­venz wird nach Öster­reich ver­legt

Das Flug­gast­rech­te­por­tal Fair­play hatte gegen das Insol­venz­ver­fah­ren von Niki in Deutsch­land geklagt, da es die Zustän­dig­keit hier­für in Öster­reich sieht.

Nach Ver­hand­lun­gen vor dem Amts­ge­richt Char­lot­ten­burg und dem Lan­des­ge­richt Ber­lin wird das Insol­venz­ver­fah­ren an das Insol­venz­ge­richt Kor­neu­burg in Öster­reich abge­ge­ben. Für das Haupt­in­sol­venz­ver­fah­ren über Niki wird die Rechts­an­wäl­tin Ulla Reisch zur Mas­se­ver­wal­te­rin bestellt. Flö­ther kri­ti­siert das Ver­le­gen des Haupt­in­sol­venz­ver­fah­rens nach Öster­reich als Ver­stoß gegen euro­päi­sches Recht.

Große Teile des Geschäfts­be­triebs von Niki sol­len an die Luft­fahrt Gruppe IAG Inter­na­tio­nal Air­lines Group, den dritt­größ­ten euro­päi­schen Luft­ver­kehrs­kon­zern nach Luft­hansa und Ryan­air, gehen. Diese bie­tet 20 Mil­lio­nen Euro für Niki-Werte und 16,5 Mil­lio­nen an Liqui­di­tät in der Flug­ge­sell­schaft. Luft­hansa wollte 180 Mil­lio­nen inves­tie­ren, um Niki im lau­fen­den Geschäfts­be­trieb zu hal­ten.

Bis zum 19 Januar sol­len die Gebote abge­ge­ben wer­den. Die IAG will erneut bie­ten, ebenso wie Ryan­air, Niki Lauda und Con­dor.

17. Januar 2018 – sanfte Lan­dung für HR-Che­fin

Die bis dato bei Air Ber­lin ange­stellte Per­so­nal­che­fin Mar­tina Nie­mann tritt ab dem 1. Februar ihre neue Stelle als „Head of HR-Manage­ment“ bei Luft­hansa an. Kri­tik kommt von Sei­ten ehe­ma­li­ger Air-Ber­lin-Mit­ar­bei­ter und Gewerk­schafts­ver­tre­ter. Tenor: Viele ehe­ma­lige Air-Ber­lin-Mit­ar­bei­ter ste­hen noch immer vor einer unge­wis­sen beruf­li­chen Zukunft, wäh­rend Fälle wie der von Frau Nie­mann und Herrn Win­kel­mann bekannt wer­den.

23. Januar – Lauda erhält den Zuschlag

Die Ent­schei­dung bei Niki wird einen Tag nach Tagung des Gläu­bi­ger­aus­schus­ses bekannt gege­ben: Niki Lauda und seine Flug­ge­sell­schaft Lau­da­mo­tion und Con­dor (Tho­mas Cook) erhal­ten den Zuschlag.

24. Januar 2018 – FDP for­dert Unter­su­chungs­aus­schuss

Die FDP bekräf­tigt ihre Inten­tion, einen Unter­su­chungs­aus­schuss ein­zu­lei­ten, um die Rolle von Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Zypries und Ver­kehrs­mi­nis­ter Schmidt unter­su­chen.

FDP-Vize Kubicki: “Warum muss der Steu­er­zah­ler mit der Hälfte des Kre­dits dazu bei­tra­gen, dass Luft­hansa Kon­kur­ren­ten los wird? Ein Staats­kre­dit ist akzep­ta­bel, Mer­kel hat ihre Zusage aber nicht ein­ge­hal­ten, dass der Steu­er­zah­ler nicht haf­tet.“

25. Januar 2018 – Streit auf der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung

Es kommt zum Streit bei der Air Ber­lin Gläu­bi­ger­ver­samm­lung, da der Anwalt Lothar Mül­ler-Gül­de­meis­ter einen Sitz im Gläu­bi­ger­aus­schuss erlan­gen möchte. Der 71-jäh­rige Rechts­an­walt wollte sich einen durch den Rück­tritt eines Auf­sichts­rats­mit­glieds frei­wer­den Platz mit dem Ziel sichern, die Rechte der Flug­rei­sen­den zu ver­tre­ten. Der Insol­venz­ver­wal­ter muss bei wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen die Zustim­mung des Gläu­bi­ger­aus­schus­ses ein­ho­len.

Mül­ler-Gül­de­meis­ter: „Das Gesetz sieht vor, dass auch die Klein­gläu­bi­ger im Gläu­bi­ger­aus­schuss ver­tre­ten sein sol­len. Da ich 400 geschä­digte Flug­gäste mit For­de­run­gen zwi­schen 100 und 8000 Euro ver­trete, bean­tragte ich, in den Gläu­bi­ger­aus­schuss gewählt zu wer­den.“

Weil sich die Höhe der Stim­men­zahl in der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung nach der Höhe der Ver­bind­lich­kei­ten rich­tet, hal­ten Com­merz­bank, Euro­wings, Lea­sing-Gesell­schaf­ten und Bun­des­agen­tur für Arbeit als größte Gläu­bi­ger 99% der Stim­men und ver­hin­dern somit die Wahl Mül­ler-Gül­de­meis­ters. Die mehr als eine Mil­lion Klein­gläu­bi­ger wer­den damit im Gläu­bi­ger­aus­schuss nicht ver­tre­ten sein.

Foto der Air Berlin Gläubigerversammlung
Air Ber­lin Gläu­bi­ger­ver­samm­lung

Die unge­si­cher­ten Gläu­bi­ger haben ver­mut­lich nicht viel zu erwar­ten, so Insol­venz­ver­wal­ter Flö­ther und müs­sen sich in viel Geduld üben: „Das kann bei einer Insol­venz die­ser Grö­ßen­ord­nung bis zu zehn Jahre dau­ern“.

24. Januar 2018 – Ansprü­che gegen Eti­had?

Flö­ther prüft Anprü­che gegen den Groß­ak­tio­när Eti­had. Es geht hier­bei um ein Finanz­ver­spre­chen von Eti­had von April 2017. Das Unter­neh­men aus Abu Dhabi hatte Air Ber­lin zu der Zeit schrift­lich ver­si­chert, bis Ende 2018 sicher­zu­stel­len, dass die deut­sche Air­line ihren finan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen nach­kom­men kann. Im August 2017 wider­rif Eti­had die Zusage und besie­gelte die Insol­venz von Air Ber­lin. Im Erfolgs­fall könnte die Klage laut Bild am Sonn­tag bis zu 800 Mil­lio­nen Euro ein­brin­gen.

17. Februar 2018 – Liegt Insol­venz­ver­schlep­pung vor?

Nach einem Bericht der „BILD“ hat Insol­venz­ver­wal­ter Flö­ther das glo­bal agie­ren­den Wirt­schafts­prü­fungs­un­ter­neh­mens Pri­ce­wa­ter­house­Coo­pers (PwC) damit beauf­tragt, das gesamte Insol­venz­ver­fah­ren nach Anhalts­punk­ten für eine Insol­venz­ver­schlep­pung zu durch­leuch­ten. Auch in einem Bericht des Insol­venz­ver­wal­ters wer­den sind mög­li­che Haf­tungs­an­sprü­che gegen Geschäft­füh­rer der Air Ber­lin Gesell­schaf­ten expli­zit erwähnt.

14. März 2018 – Ber­lin ver­liert Lang­stre­cken­ver­bin­dun­gen

Im Novem­ber 2017 ließ Luft­hansa-Vor­stand Harry Hoh­meis­ter stolz ver­lau­ten, dass man die Stre­cke Ber­lin – New York von Air Ber­lin über­nehme. Man wolle aus der Situa­tion etwas Posi­ti­ves machen – „soweit wir kön­nen und dür­fen.“

Fünf­mal pro Woche hob die Luft­hansa von nun an in Rich­tung Big Apple ab. Ende Dezem­ber ließ die Toch­ter Euro­wings ver­lau­ten, dass sich an den Plä­nen, die Stre­cke dau­er­haft im Som­mer­flug­plan 2018 ein­zu­glie­dern, nichts geän­dert habe. Nun, im März 2018, sind auch diese Pläne Geschichte. Ein ungüns­ti­ger Slot am New Yor­ker Ken­nedy-Flug­ha­fen in Ver­bin­dung mit „unge­nü­gen­der Wirt­schaft­lich­keit“ lässt die ein­zige Direkt­ver­bin­dung Ber­lin – New York nach Aus­sage der Euro­wings ver­schwin­den.

Direkt­ver­bin­dun­gen von Ber­lin nach Chi­cago, Los Ange­les, Miami und San Fran­cisco sowie zu Urlaubs­zie­len in der Kari­bik gibt es seit dem Weg­fall der Air-Ber­lin-Stre­cken von Ber­lin an keine mehr. Rei­sende sind hier­bei gezwun­gen, Umstei­ge­ver­bin­dun­gen z.B. über Köln-Bonn oder Mün­chen zu neh­men.

24. März 2018 – Kre­dit ohne Abwar­ten des Gut­ach­tens bewil­ligt?

Laut einem Bericht des „Spie­gels“ wurde der Kre­dit der Bun­des­re­gie­rung über 150 Mil­lio­nen Euro im August 2017 bewil­ligt, bevor das Ergeb­nis des extra von ihr in Auf­trag gege­be­nen Gut­ach­ten von Pri­ce­wa­ter­house­Coo­pers ein­traf.

  • 12. August – PwC wird erst­mals infor­miert
  • 15. August – Bun­des­re­gie­rung gibt Zusage für Kre­dit
  • 17. August – Über­mitt­lung der fina­len gut­ach­ter­li­chen Vor­lage zur Über­nahme einer Bun­des­ga­ran­tie

Im Januar 2018 sollte die Kre­dit­summe aus Ver­käu­fen von Air-Ber­lin-Unter­neh­mens­tei­len wie­der rein­ge­holt wer­den. Zum aktu­el­len Zeit­punkt rech­net Insol­venz­ver­wal­ter Flö­ther damit, nur noch die Hälfte des Betrags zurück zu erhal­ten. War­nun­gen über even­tu­elle Pro­bleme bei der Rück­zah­lung gab es bereits früh­zei­tig. Die Air Ber­lin Anwälte schrie­ben im Zuge des­sen im August letz­ten Jah­ren an die Bun­des­re­gie­rung, dass das Dar­le­hen wahr­schein­lich unge­si­chert gege­ben wer­den muss. Aus dem Kanz­ler­amt heißt es hierzu ledig­lich, dass „alle recht­lich mög­li­chen und wirt­schaft­lich sinn­vol­len Sicher­hei­ten vom Bund gefor­dert und letzt­lich auch bestellt“ wor­den sind.

4. April 2018 – Mei­len weg, Geld weg?

Die Firma Top­bo­nus Ltd. (zu 70% von Eti­had gehal­ten, zu 30% von Air Ber­lin), über die mit dem Viel­flie­ger­pro­gramm von Air Ber­lin Bonus-Mei­len gesam­melt wer­den konn­ten, mel­dete zehn Tage nach der Air­line Insol­venz an.

Ein Grund hier­für war auch, dass zahl­rei­che Mit­glie­der inner­halb kür­zes­ter Zeit ver­sucht hat­ten, ihre Mei­len ein­zu­lö­sen. Anschlie­ßend wurde voll­mun­dig ver­kün­det, der Geschäfts­be­trieb werde trotz­dem fort­ge­setzt: Unter dem Namen Top­bo­nus Loyalty konn­ten in den Mona­ten dar­auf neue Part­ner für das Pro­gramm gewon­nen wer­den, gesam­melte Mei­len behiel­ten ihre Gül­tig­keit.

Nun schauen Kun­den von Air Ber­lin, die Teil des die­ses Pro­gram­mes waren und Mei­len gesam­melt haben, in die Röhre. Bestehende Mei­len wur­den gelöscht und wer­den Teil des am 1. April gestar­te­ten Insol­venz­ver­fah­rens und somit Teil der Insol­venz­masse.

Insol­venz­ver­wal­ter Chris­tian Otto zeigte sich Anfang April noch opti­mis­tisch, dass ein neuer Inves­tor das Pro­gramm wie­der auf­le­ben las­sen wird. Der Deal galt als so gut wie besie­gelt, ehe er sich auf­grund feh­len­der Zah­lungs­mög­lich­kei­ten sei­tens des Inves­tors zer­schlug. Man habe den Geschäfts­be­trieb ein­stel­len müs­sen, um die Gläu­bi­ger zu schüt­zen, da inner­halb der Frist nicht mehr damit zu rech­nen war, dass die Zah­lung noch getä­tigt wer­den kann, so Otto. Das bedeu­tet für die 20 ver­blei­ben­den Top­bo­nus-Mit­ar­bei­ter: Kün­di­gung. Und für die betrof­fe­nen Kun­den höchst­wahr­schein­lich: Mei­len weg und somit Geld weg. Die Chan­cen auf Ent­schä­di­gung ste­hen mini­mal, die Ansprü­che dro­hen in der mas­si­ven Insol­venz­masse zu ver­schwin­den.

7. April 2018 – Erneu­ter Vor­wurf der Insol­venz­ver­schlep­pung

Anwalt Lothar Mül­ler-Gül­de­meis­ter wirft dem Luft­fahrt­bun­des­amt Bei­hilfe zur Insol­venz­ver­schlep­pung von Air Ber­lin vor. Von „Ver­let­zung der Auf­sichts­pflicht“ ist die Rede, da die Behörde mit sei­nen rund 1.000 Mit­ar­bei­tern als Kern­auf­gabe die „Prü­fung der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit deut­scher Luft­fahrt­un­ter­neh­men“ hat. Somit hätte auf­grund der enor­men Schul­den­last eine Betriebs­ge­neh­mi­gung nie­mals erteilt wer­den dür­fen, außer­dem seien noch zig­tau­sende wert­lo­ser Tickets ver­kauft wor­den.“

23. Mai 2018 – Klage auf Betriebs­über­gang

Die Kla­gen gegen Air Ber­lin und Insol­venz­ver­wal­ter Flö­ther neh­men deut­lich zu. Einige Anwälte brin­gen ganze Autos bela­den mit Akten­ber­gen zum Arbeits­ge­richt nach Ber­lin. Ehe­ma­lige Air-Ber­lin-Mit­ar­bei­ter argu­men­tie­ren, dass ein Betriebs­über­gang auf einen neuen Inha­ber (in dem Fall Luft­hansa und Easy­jet) vor­liegt und somit die Arbeits­ver­hält­nisse bestehen blei­ben müss­ten. Der Betriebs­über­gang ist im Bür­ger­li­chen Gesetz­buch (BGB) gere­gelt, den­noch seien fast alle Pilo­ten damit geschei­tert, die Über­nahme als sol­che einen Betriebs­über­gang aner­ken­nen zu las­sen.

27. Mai 2018 – Hoff­nung auf Rück­zah­lun­gen?

Flug­rei­sende, die ihr Ticket bei Air Ber­lin oder Niki vor dem 15. August 2017 gekauft haben, gehen wahr­schein­lich leer aus: Sie kön­nen ihre For­de­run­gen nur als Teil der Insol­venz­masse anmel­den und auf eine geringe Quote hof­fen. Niki flog noch ein hal­bes Jahr nach dem Ende der Mut­ter­ge­sell­schaft wei­ter, eigens für For­de­run­gen aus die­sem Zeit­raum wurde ein Treu­hand­konto ein­ge­rich­tet.

1. Juli 2018 – Scha­den­er­satz­klage gegen Eti­had

Insol­venz­ver­wal­ter Flö­ther ist darum bemüht, Finan­zie­rer zu fin­den, die die Kos­ten für einen Pro­zess gegen Eti­had stem­men kön­nen. Es wird mit Pro­zess­kos­ten von 10 bis 30 Mil­lio­nen Euro gerech­net. Ein Hedge-Fonds soll diese Kos­ten über­neh­men, dafür wer­den 30% der erstrit­te­nen Summe in Aus­sicht gestellt.

23. Juli 2018 – Ex-Air-Ber­lin-Mit­ar­bei­ter gut unter­ge­bracht?

Rund 85% der ehe­ma­li­gen 8.000 Ange­stell­ten Air Ber­lins haben laut inter­nen Fir­men­zah­len, über die die Bild berich­tete, einen neuen Job gefun­den. Die meis­ten sind bei Euro­wings, Easy­jet oder Ryan­air unter­ge­kom­men, wel­che ihr Stre­cken­netz auf­grund der Insol­venz Air Ber­lins aus­ge­baut haben und somit mehr Per­so­nal benö­ti­gen.

Bereits letz­ten Herbst, wenige Monate nach der Insol­venz, ging das Manage­ment von Air Ber­lin von „guten Job­aus­sich­ten für 80% der Betrof­fe­nen“ aus.

Es lässt sich fest­stel­len, dass diese Pro­gnose deutsch­land­weit sogar als rea­lis­tisch erach­tet wer­den kann. Wirft man aber einen Blick auf die Arbeits­be­din­gun­gen, wer­den gra­vie­rende Unter­schiede sicht­bar: Pilo­ten berich­ten von Gehalts­ein­bu­ßen von 40% gegen­über ihrem vor­he­ri­gen Arbeit­ge­ber, erfah­rene Flug­ka­pi­täne hät­ten auf­grund ihres hohen Dienst­al­ters und der damit ein­her­ge­hen­den bes­se­ren Besol­dung kaum Chan­cen auf Über­nahme. Auch für Mit­ar­bei­ter in Eltern­zeit oder Teil­zeit „sei kein Platz“, wie ein Pilot, der lie­ber anonym blei­ben möchte, berich­tet. Zeit­auf­wen­dige Schu­lun­gen und Pro­be­zei­ten stel­len eben­falls eine psy­chi­sche und mone­täre Belas­tung für die Betrof­fe­nen da.

31. Juli 2018 – Win­kel­mann ver­zich­tet auf Gehalt

Air-Ber­lin-Chef Win­kel­mann, der auf­grund einer Bank­ga­ran­tie sein Gehalt von 4,5 Mil­lio­nen Euro bis 2021 abge­si­chert hat, unter­schreibt einen Auf­he­bungs­ver­trag und ver­zich­tet auf einen nicht näher genann­ten Teil sei­nes ver­trag­lich gesi­cher­ten Salärs, wobei genaue Kon­di­tio­nen nicht öffent­lich gemacht wur­den. Es schwingt der Bei­geschmack mit, dass dies auf­grund des öffent­li­chen Drucks geschah und sich Win­kel­mann so aus der Schuss­li­nie brin­gen und im Hin­blick auf seine wei­tere beruf­li­che Zukunft neu auf­stel­len wollte. Die Causa Air Ber­lin war hier­bei nicht nur für sein gesell­schaft­li­ches Anse­hen hin­der­li­cher Natur.

Als nicht hin­der­lich erwies sich diese Tat­sa­che aber im Bezug auf Win­kel­manns neue Stelle: zum 1. August 2018 tritt er seine Stelle als Bei­rats-Chef des mit­tel­stän­di­schen Logis­tik­un­ter­neh­mens Zeit­fracht Luft­fahrt Hol­ding aus Ber­lin ein. Zeit­fracht über­nahm nach der Insol­venz Air Ber­lins Teile des Unter­neh­mens.

8. August 2018 – Wer kriegt was vom Kuchen?

Insol­venz­ver­wal­ter Flö­ther bezieht in einem Inter­view Stel­lung und äußert sich zu ver­schie­de­nen The­men rund um die Insol­venz. Seine Worte zum Thema Neu­be­schäf­ti­gung der ehe­ma­li­gen Air-Ber­lin-Mit­ar­bei­ter las­sen auf­hor­chen.

Flö­ther: „Aber was wir hören aus dem Markt, was auch die Behör­den zum Teil bestä­tigt haben, ist, dass nahezu alle gekün­dig­ten Arbeit­neh­mer wie­der Beschäf­ti­gung gefun­den haben.“

Da der Insol­venz­ver­wal­ter die Haupt­auf­gabe hat, im Inter­esse der Gläu­bi­ger zu wal­ten und die vor­han­dene Insol­venz­masse gleich­mä­ßig auf sie ver­tei­len soll, wer­den hier die Prio­ri­tä­ten deut­lich gelegt: 99% der Ver­bind­lich­kei­ten sind fäl­lig bei Com­merz­bank, Euro­wings, Lea­sing-Gesell­schaf­ten, Lie­fe­ran­ten, Dienst­leis­tern und Ver­mie­tern und der Bun­des­agen­tur für Arbeit. Den Rech­ten der Flug­rei­sen­den und denen der ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­tern kommt eine eher unter­ge­ord­nete Rolle zu Gute. Im öffent­li­chen Dis­kurs hin­ge­gen wird meist davon aus­ge­gan­gen, dass die größ­ten Gläu­bi­ger Ticket­käu­fer sein.

Anfang des Jah­res wurde von unge­si­cher­ten Gesamt­for­de­run­gen in Höhe von 760 Mil­lio­nen berich­tet, die einem ver­wert­ba­ren Ver­mö­gen von 88 Mil­lio­nen gegen­über ste­hen. Auf die Kun­den ent­fal­len ins­ge­samt ledig­lich 30 Mil­lio­nen, auf die Mit­ar­bei­ter ca. 10 Mil­lio­nen, von denen in bei­den Fäl­len knapp die Hälfte als unge­si­chert gilt. Auch die übri­gen 84 Mil­lio­nen, wel­che noch anhän­gend dem 150 Mil­lio­nen Euro Kre­dit der Bun­des­re­gie­rung sind, sind unge­si­chert. Durch den Ver­kauf von Unter­neh­mens­tei­len (ohne Niki) wur­den ledig­lich 67 Mil­lio­nen in die Kasse gespült.

16. August 2018 – Kre­dit wirk­lich not­wen­dig?

Kri­ti­ker äußern, dass die Ver­gabe des Kre­dits mehr ein poli­ti­sches Manö­ver als eine „Ret­tungs­ak­tion der gestran­de­ten Urlau­ber“ sei. Mit den noch vor­han­de­nen Bar­mit­teln von 80 Mil­lion Euro hätte Air Ber­lin die Pas­sa­giere größ­ten­teils wie­der nach Deutsch­land flie­gen kön­nen. Dies soll in Krei­sen der Bun­des­re­gie­rung aber als zu ris­kant im Bezug auf die anste­hende Bun­des­tags­wahl bewer­tet wor­den sein, da nicht sicher davon aus­zu­ge­hen war, dass so alle geprell­ten Kun­den pünkt­lich und frei von nega­ti­ven Emo­tio­nen gegen­über Air Ber­lin und der Poli­tik knapp einen Monat spä­ter an der Wahl­urne ste­hen wür­den.

Flö­ther hierzu: „Mil­lio­nen von Urlaubs­rei­sen­den über­all auf der Welt wären gestran­det, fest geses­sen. Man hätte die Mit­ar­bei­ter ent­las­sen müs­sen, es wäre ein abso­lu­tes Chaos ent­stan­den. Inso­fern hatte der Kre­dit die Fort­füh­rung des Unter­neh­mens, das Wei­ter­flie­gen, ermög­licht. Das hat, glaube ich, allen Betei­lig­ten, nicht zuletzt den Gläu­bi­gern und den Kun­den, den Rei­sen­den gehol­fen.“

30. Okto­ber 2018 – Wer ist Schuld?

Die Gründe dafür, dass Air Ber­lin letz­ten Endes in die Insol­venz gehen musste, hat viel mit Miss­ma­nage­ment und ande­ren inter­nen Fak­to­ren zu tun. Auch nach 10 Jah­ren in den roten Zah­len gelang es dem Manage­ment nicht, die Air­line pro­fi­ta­bel zu gestal­ten. Doch es gibt sicher auch externe Ereig­nisse und Gege­ben­hei­ten, die der roten Air­line gescha­det haben.

Eines davon ist die Ver­zö­ge­rung der Fer­tig­stel­lung des BER, die nicht nur für die Flug­gäste Ber­lin und Bran­den­burgs ein Hin­der­nis da stellt. Ursprüng­lich im Juni 2012 sollte der Flug­ha­fen eröff­net wer­den. Air Ber­lin ver­kaufte bereits Tickets, hatte Slots bestellt und große Wer­be­kam­pa­gnen zur Eröff­nung des neuen Flug­dreh­kreu­zes gefah­ren. Dass letzt­lich doch nicht eröff­net wer­den konnte, war finan­zi­ell gese­hen ein Dis­as­ter.

So wur­den die Pläne über den Hau­fen gewor­fen und Air Ber­lin war gezwun­gen, die Hei­mat­ba­sis wei­ter­hin in Tegel zu las­sen. Ins­be­son­dere in den letz­ten Jah­ren ist die Aus­las­tung von Tegel (TXL) ste­tig gestie­gen und stellte Air Ber­lin vor immer grö­ßere Her­aus­for­de­run­gen: Pas­sa­giere brau­chen lange zum Umstei­gen, der Weg von Ter­mi­nal A zu Ter­mi­nal C mit noch­ma­li­gen Secu­rity-Check bringt für die Flug­rei­sen­den meis­tens logis­ti­sche Her­aus­for­de­run­gen mit sich. Auch der Gepäck­trans­fer berei­tete immer grö­ßere Pro­bleme, über­durch­schnitt­lich viele Kof­fer gin­gen ver­lo­ren oder schaff­ten es nicht in die Anschluss­flug­zeuge.

14. Dezem­ber 2018 – Klage gegen Eti­had ein­ge­reicht

Die Gläu­bi­ger, ver­tre­ten durch Insol­venz­ver­wal­ter Flö­ther, haben Klage gegen Eti­had beim Land­ge­richt Ber­lin ein­ge­reicht. Die ara­bi­sche Air­line gab im April 2017 eine soge­nannte Harte Patro­nats­er­klä­rung ab. Mit ihr ver­si­chert der Erklä­rende, der soge­nannte Patron, die Kre­dit­wür­dig­keit sei­nes Toch­ter­un­ter­neh­mens, die­ses pro­fi­tiert so durch eine gestei­gerte Boni­tät. Die Erklä­rung wurde für 18 Monte aus­ge­stellt. Als die natio­nale Flug­li­nie der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­rate diese nun knapp 5 Monate spä­ter zurück zog, musste Air Ber­lin Insol­venz anmel­den.

Bei der Klage geht es um ein Volu­men von 500 Mil­lio­nen Euro, das Gericht hat den Streit­wert auf 2 Mrd. Euro fest­ge­legt. Die Abwei­chun­gen kom­men daher zustande, da noch etli­che For­de­run­gen der Gläu­bi­ger nicht geprüft sind und dies wahr­schein­lich auch noch einige Zeit in Anspruch neh­men wird. Ursprüng­lich gab der Gläu­bi­ger­aus­schuss schon im Früh­jahr grü­nes Licht für die Klage, es wurde noch ein Pro­zess­fi­nan­zie­rer gesucht. Die­ser wurde nun gefun­den, eine Ver­gü­tung nach erfolg­rei­chem Pro­zess von bis zu 30% des tat­säch­lich erziel­ten Ergeb­nis­ses ist vor­ge­se­hen. Bei Abwei­sung der Klage trägt der Finan­zie­rer die gesam­ten Kos­ten des Ver­fah­rens: die Gerichts­kos­ten, die Kos­ten des geg­ne­ri­schen Anwalts, die Kos­ten des eige­nen Anwalts sowie sämt­li­che Zeu­gen- und Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten.

Flö­ther bezeich­net die Ansprü­che gegen Eti­had in der Süd­deut­schen Zei­tung als „poten­zi­ell wich­tigste Ver­mö­gens­werte“ im Insol­venz­ver­fah­ren. Ohne diese wür­den die meis­ten Gläu­bi­ger wohl leer aus­ge­hen.

2019

23. Januar 2019 – Eti­had will in Lon­don Ver­klagt wer­den

Eti­had Air­ways wehrt sich dage­gen, dass von Flö­ther ange­strebte Ver­fah­ren in Ber­lin durch­zu­füh­ren und möchte es lie­ber nach Lon­don ver­schie­ben. Die Zustän­dig­keit liege laut Eti­had beim bri­ti­schen High Court, da Air Ber­lin in Lon­don for­mell sei­nen Sitz hatte und dort den Haf­tungs­aus­schluss bean­tragte.

Die Air Ber­lin PLC & Co. Luft­ver­kehrs KG, wie sie kom­plett hieß, war eine hun­dert­pro­zen­tige Toch­ter der bör­sen­no­tier­ten Air Ber­lin PLC (Public Limi­ted Com­pany), also einer Kapi­tal­ge­sell­schaft nach bri­ti­schem Recht. Inner­halb der EU steht es Unter­neh­men frei, ihre Rechts­form zu wäh­len.
Die ara­bi­sche Flug­ge­sell­schaft hat den­noch keine juris­ti­sche Hand­habe, um den Ort des Ver­fah­rens zu beein­flus­sen und sieht sich einem Ver­fah­ren in Deutsch­land gegen­über.

Flö­ther in einer Pres­se­mit­tei­lung: „Eti­had hat offen­sicht­lich Angst, den Rechts­streit vor deut­schen Gerich­ten zu füh­ren.“

15. Februar 2019 – Gäu­bi­ger­for­de­run­gen über­stei­gen Mil­li­ar­den­grenze

Insol­venz­ver­wal­ter Flö­ther nennt im Ber­li­ner Tages­spie­gel neue Zah­len. Er geht davon aus, dass die Gesamt­summe der For­de­run­gen die 1 Mil­li­arde über­stei­gen wird. Ins­ge­samt haben über 1,2 Mil­lio­nen Gläu­bi­ger Ansprü­che ein­ge­reicht.

Er stellt in Aus­sicht, den Mas­se­kre­dit der Bun­des­re­gie­rung voll­stän­dig zurück­zu­zah­len – aller­dings ohne Zin­sen.

8. März 2019 – Gerecht­fer­tigte Ver­gü­tung für Sach­wal­ter Flö­ther?

Eine Welle der Empö­rung bricht los, als das Amts­ge­richt Char­lot­ten­burg am 27. Februar bekannt gibt, dem Antrag von Air-Ber­lin-Sach­wal­ter Lucas Flö­ther vom 21. Januar 2019 zu fol­gen: Die Kanz­lei Flö­ther & Wis­sing erhält für den 5-mona­ti­gen Zeit­raum der Arbeit zwi­schen Ein­rei­chung des Insol­venz­an­tra­ges am 15. August 2017 bis Mitte Januar 2018 eine Ver­gü­tung von 22 Mil­lion Euro. Diese Summe wird noch ein­mal deut­lich stei­gen, da Flö­ther nicht mehr als Sach­wal­ter mit redu­zier­ten Ver­gü­tungs­an­sprü­chen auf­tritt, son­dern als Insol­venz­ver­wal­ter. Bis zum Jahr 2028 ist eine geplante Ver­gü­tung für die Kanz­lei von knapp 48 Mil­lion Euro ein­ge­plant.

Kri­tik von ver­schie­de­nen Sei­ten lässt nicht lange auf sich war­ten.

Jörg Cezanne, Ver­kehrs­po­li­ti­ker der Lin­ken im Bun­des­tag: „Da etli­che Flug­rei­sende im Insol­venz­ver­fah­ren leer aus­ge­hen wer­den, ist diese Summe nie­man­dem zu ver­mit­teln.“

Die Ver­gü­tung von Herrn Flö­ther liegt auf­grund der Kom­ple­xi­tät des Ver­fah­rens bei 105% über dem Regel­satz. Sie hätte, bei Antrags­stel­lung durch Flö­ther und seine Kanz­lei, bis auf 175% wach­sen kön­nen.

Rechts­an­walt Lothar Mül­ler-Gül­de­meis­ter : „In die­sem Fall sind die gigan­ti­schen Auf­schläge aber so gro­tesk hoch und skan­da­lös, dass es nicht so ein­fach hätte geneh­migt wer­den dür­fen.“

Inzwi­schen haben Gläu­bi­ger Beschwerde gegen die Höhe des Hono­rars ein­ge­reicht.

Aus­gang für die Betei­lig­ten

Das Drama um Air Ber­lin scheint kein Ende zu neh­men und ist auch knapp zwei Jahre nach der Insol­venz ein prä­sen­tes Thema. Wie steht es nun um die Prot­ago­nis­ten, wel­che direkt oder indi­rekt an der Insol­venz betei­ligt oder sogar invol­viert waren und was machen diese heute?

Joa­chim Hunold

Im Jahr 1991 grün­dete der heute 69-jäh­rige Unter­neh­mer Joa­chim Hunold die Air Ber­lin GmbH & Co. Luft­ver­kehrs-KG, die aus der ame­ri­ka­ni­schen Air Ber­lin Inc. her­vor­geht.

Von 2006 an beklei­dete er dort die Rolle des CEO, ehe er sich 2011 auf­grund „schlech­ter Geschäfts­zah­len“ dem Druck der Aktio­näre beugt, aus dem Unter­neh­men zurück­zieht und sei­nen Pos­ten an den ehe­ma­li­gen Bahn­chef Hart­mut Meh­dorn über­gibt. Er soll eine Abfin­dung in Mil­lio­nen­höhe erhal­ten haben. Bis zur Insol­venz Air Ber­lins saß er wei­ter­hin im Ver­wal­tungs­rat des Unter­neh­mens und hielt 2,3 Mil­lio­nen Aktien, bis sein Lebens­werk Air Ber­lin kom­plett aus­ein­an­der fiel.

Heute ist er Indus­trie­part­ner für Logis­tik und Luft­fahrt beim Frank­fur­ter Mit­tel­stands-Finan­zie­rer Ran­tum Capi­tal.

Lucas Flö­ther

Der 45-jäh­rige Insol­venz­ver­wal­ter, Sanie­rungs­ex­perte und Rechts­an­walt ist mitt­ler­weile wahr­schein­lich jedem, der sich ein wenig mit der Causa Air Ber­lin beschäf­tigt hat, kein Frem­der mehr.

Mit sei­ner Kanz­lei „Flö­ther & Wis­sing“ betreute er die Insol­venz erst als Sach­wal­ter, fol­gend als Insol­venz­ver­wal­ter. Er zählt zu den ein­fluss­reichs­ten Insol­venz­an­wäl­ten in Deutsch­land. Er betreute u.a. schon die Insol­venz des Inter­net-Rie­sen Unis­ter, ehe er sich mit dem Fall Air Ber­lin beschäf­ti­gen musste.

Eine stär­kere beruf­li­che Repu­ta­tion dürfte er wohl für einen Insol­venz­ver­wal­ter nicht geben, als dass er die Insol­venz der viel­leicht bekann­tes­ten deut­schen Flug­ge­sell­schaft abge­wi­ckelt hat. Auch finan­zi­ell gese­hen hat es sich für seine Kanz­lei gelohnt: 46 Mil­lio­nen Hono­rar für ein Man­dat azf den Zei­raum bon elf Jah­ren.

Ste­fan Pich­ler

Der 61-jäh­rige deut­sche Air­line- und Tou­ris­mus­ma­na­ger Ste­fan Pich­ler brachte große Erfah­run­gen in sei­nem Kern­ge­biet mit, ehe er 2015 den Vor­sitz bei Air Ber­lin antrat. Zu der Zeit schrieb die Air­line schon tief­rote Zah­len. Pich­ler legte ein Sanie­rungs­kon­zept vor, wel­ches von den Gesell­schaf­tern größ­ten­teils abge­lehnt wurde und nur teil­weise umge­setzt wer­den konnte. So ver­ließ er das Unter­neh­men im Jahr 2017 wie­der und trat eine Stelle als Pre­si­dent & CEO von Royal Jor­da­nien an, um das Unter­neh­men zu sanie­ren. Pich­ler gilt in Fach­krei­sen als Sanie­rer, er ret­tete schon meh­rere inter­na­tio­nale Flug­ge­sell­schaf­ten vor der Insol­venz, bei­spiel­weise Fiji Air­ways.

Tho­mas Win­kel­mann

Nach­dem der ehe­ma­lige CEO von Air Ber­lin gegen Ver­zicht auf einen Teil sei­nes zuge­si­cher­ten Gehalts früh­zei­tig aus dem dem Unter­neh­men aus­schei­det, nimmt er schnell einen Sitz im Bei­rat der Ber­li­ner Logis­tik­gruppe Zeit­fracht an. Außer­dem sitzt er im seit 2015 im Auf­sichts­rat der US-Air­line West­jet. Am wahr­schein­lichs­ten ist, dass er in den nächs­ten Jah­ren zum wie­der­hol­ten Male eine Stelle im Manage­ment einer Luft­hansa-Toch­ter antritt oder in einer ande­ren Posi­tion der Luft­fahrt­bran­che in Deutsch­land erhal­ten bleibt.

James Hogan

Der aus­tra­li­sche Geschäfts­mann James Hogan, bis dato neun Jahre bei Eti­had als CEO beschäf­tigt, schei­det eben­falls Mitte 2017 aus dem Unter­neh­men aus. Er grün­det anschlie­ßend die Knight­hood Capi­tal Part­ners AG. Eine Hol­ding, die sich auf das Lea­sen von Flug­zeu­gen spe­zia­li­siert hat. Sie hat Sitze in der Schweiz, in Abu Dubai und auf Malta. Mit im Gepäck hat er den ehe­ma­li­gen Eti­had-Finanz­chef und sei­nen engs­ten Ver­trau­ten, James Rig­ney, der zeit­gleich mit Hogan den Hut bei der ara­bi­schen Flug­li­nie neh­men musste. Auch Ex-Air-Ber­lin-Anwalt Dirk Schma­len­bach ist mit an Bord.

Ulf Hütt­meyer

2006 holt Air-Ber­lin-Grün­der Joa­chim den heute 44-jäh­ri­gen von der Com­merz­bank zu Air Ber­lin und ernennt ihn zum Vor­stand im Bereich Finan­zen. Hütt­meyer ist zur dama­li­gen Zeit maß­geb­lich am Zustan­de­kom­men des Deals mit Eti­had betei­ligt, der die Ber­li­ner Air­line vor der Insol­venz bewahrt. Gut neun Jahre spä­ter ver­lässt er die Kon­zern­zen­trale in Ber­lin-Char­lot­ten­burg und wech­selt zur Mut­ter­ge­sell­schaft nach Abu Dhabi. Er hin­ter­lässt Air Ber­lin in einem deso­la­ten finan­zi­el­len Zustand. Nach zwei Jah­ren am Ara­bi­schen Golf im April 2017 schei­det er aus dem Unter­neh­men aus und tritt zeit­nah der von sei­nem Ex-CEO James Hogan gegrün­de­ten Firma bei.

Niki Lauda

Niki Lauda geht als Gewin­ner aus der Causa Air Ber­lin her­vor. Erst durch die Ver­le­gung des Insol­venz­ver­fah­rens von Deutsch­land nach Öster­reich konnte er sich die Flug­li­nie NIKI, des­sen Grün­der er eben­falls ist, zurück­kau­fen. Diese ist von nun an unter dem Namen Lau­da­mo­tion GmbH unter­wegs, da die Namens­rechte nicht Teil des Deals waren.

Mit dem Rei­se­kon­zern Tho­mas Cook und der Flug­toch­ter Con­dor wollte er den Flug­be­trieb schnellst­mög­lich auf­neh­men. Ende 2018 wurde Lau­da­mo­tion zu 100% von der iri­schen Bil­lig­flug­li­nie Ryan­air über­nom­men. Somit schied Lauda als Geschäfts­füh­rer aus. Der 70-jäh­rige Ex-For­mel-1-Pilot ist nach einer Lun­gen­trans­plan­ta­tion Anfang 2019 wie­der gene­sen und bleibt dem Unter­neh­men als Vor­sit­zen­der des Gesell­schaf­ter­aus­schus­ses treu.

Cars­ten Spohr

Luft­hansa unter der Füh­rung von Spohr ist der größte Nutz­nie­ßer der Insol­venz von Air Ber­lin. Nicht nur, dass ein unlieb­sa­mer Kon­kur­rent weni­ger auf dem inner­deut­schen Stre­cken­netz ver­tre­ten ist, so konn­ten ehe­ma­lige Slots und Lan­de­rechte ohne grö­ßere Pro­bleme über­nom­men wer­den und somit die Vor­macht­stel­lung als füh­rende deut­sche Flug­ge­sell­schaft aus­ge­baut wer­den. Durch geschickte per­so­nal­po­li­ti­sche Schach­züge wie dem Wech­sel von Tho­mas Win­kel­mann zur Air Ber­lin sicherte sich Cars­ten Spohr schon im Vor­hin­ein die „Pole-Posi­tion“ im Kampf um Teile der nun insol­ven­ten Flug­li­nie. Die Expan­sion von Luft­hansa geht somit unver­än­dert wei­ter, wäh­rend der 52-jäh­rige Luft­hansa-CEO Spohr seine Macht intern wei­ter aus­bauen konnte.

Die Mit­ar­bei­ter

Die ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter von Air Ber­lin und deren Toch­ter­fir­men sind, wie die Kun­den, die größ­ten Ver­lie­rer. Auch wenn einige mitt­ler­weile eine neue Stelle haben, müs­sen sie starke Gehalts­ein­bu­ßen und ver­schärfte Arbeits­zei­ten in Kauf neh­men. Außer­dem bli­cken sie auf­grund von befris­te­ten Arbeits­ver­trä­gen teil­weise in eine unge­wisse beruf­li­che Zukunft.

Eti­had

Die ara­bi­sche Air­line machte im Jahr 2018 einen Ver­lust von knapp 1,2 Mil­li­ar­den Euro, der im Ver­gleich zu 2017 mit 1,5 Mil­li­ar­den Euro Minus nur wenig gerin­ger aus­fällt.

Nach dem Ende von James Hogan als CEO bei Eti­had ändert das Unter­neh­men seine Stra­te­gie und stößt Ver­lust­ge­schäfte ab. Die Betei­li­gun­gen Alita­lia und Air Ber­lin gehen nach Ein­stel­lung von finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung somit insol­vent. Dazu blickt die Flug­li­nie vom Golf einer mil­li­ar­den­schwe­ren Klage von Air Ber­lin Insol­venz­ver­wal­ter Lucas Flö­ther ent­ge­gen. Zusätz­lich zu der Mil­li­arde Euro, die Eti­had in Air Ber­lin schon ver­senkt hat, könnte das Gerichts­ver­fah­ren Eti­had Air­ways am Ende noch­mal knapp 2 Mil­li­ar­den Euro kos­ten. Rund 5% der Mit­ar­bei­ter wur­den ent­las­sen, dazu sank auch die Anzahl der Flug­gäste kon­ti­nu­ier­lich.

Fazit

Bei der „ver­rück­tes­ten Insol­venz aller Zei­ten“ blei­ben zum heu­ti­gen Stand viele Fra­gen offen.

  1. Warum eine Insol­venz in Eigen­ver­wal­tung?
  2. Was wurde in Abu Dhabi bespro­chen?
  3. Was geschah mit dem Kre­dit der KfW?
  4. Miss­brauch des Insol­venz­rechts durch die Luft­hansa?

1. Als bekannt wird, dass Air Ber­lin im August 2017 nicht mehr zah­lungs­fä­hig ist, reicht die Air­line einen Antrag auf Insol­venz in Eigen­ver­wal­tung beim Amts­ge­richt Char­lot­ten­burg ein. Trotz Ver­bind­lich­kei­ten von 1,2 Mil­li­ar­den Euro und weni­gen vor­han­de­nen Ver­mö­gens­wer­ten wird die­ser Form der Abwick­lung statt­ge­ge­ben. Dies ver­wun­dert, da eine Insol­venz in Eigen­ver­wal­tung die Erhal­tung und Sanie­rung des Unter­neh­mens zum Ziel hat.

Lucas Flö­ther wird zum vor­läu­fi­gen Sach­wal­ter ernannt. Am 1. Novem­ber 2017 kommt es zur offi­zi­el­len Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens, Flö­ther nimmt seine Auf­gabe als Insol­venz­ver­wal­ter nun kom­plett wahr.

2. Im Mai 2017 trifft Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel zu einem Staats­be­such in Abu Dhabi ein. Teil ihrer Dele­ga­tion ist Luft­hansa-Chef Cars­ten Spohr.

Offi­zi­ell geht es bei der Zusam­men­kunft mit den Ara­bern auch um die Über­nahme von Air-Ber­lin-Antei­len, da Eti­had sei­nen ver­lust­brin­gen­den Teil gerne los­wer­den möchte. Die Ver­mu­tung liegt nahe, dass das Ende von Air Ber­lin schon bespro­chen wurde und was mit den inter­es­san­ten Ver­mö­gens­ge­gen­stä­nen pas­siert: Flug­zeuge, Slots und Lan­de­rechte. Der Kre­dit der KfW-Bank half bei Siche­rung erheb­lich.

3. Der 150-Mil­lion-Euro-Kre­dit der staat­li­chen KfW Bank hielt den vor­läu­fi­gen Flug­be­trieb nach Bean­tra­gung des Insol­venz­ver­fah­rens auf­recht und sorgte dafür, dass sich im Aus­land befin­dende Urlau­ber plan­mä­ßig nach Deutsch­land zurück keh­ren konn­ten. Außer­dem war nur so der Ver­kauf an Luft­hansa und Easy­jet mög­lich, da sonst ein soge­nann­tes „Groun­ding“ ein­ge­tre­ten wäre Die Bank ließ sich den Kre­dit durch eine soge­nannte „Dring­li­che Siche­rung“ absi­chern. Somit hat sie bei einem Ver­kauf der Air­line die Garan­tie, die gelie­hene Summe plus Zin­sen direkt aus den Erlö­sen des Ver­kau­fes zu bezie­hen.

4. Der Ver­dacht, dass die Luft­hansa und die Bun­des­re­gie­rung zu einer Insol­venz­ver­schlep­pung bei­getra­gen haben, besteht schon län­ger.

So soll das 2012 geän­derte Insol­venz­recht als Über­nah­me­in­stru­ment für die hoch ver­schul­dete Flug­li­nie miss­braucht wor­den sein. Indem Ex-Luft­hansa Win­kel­mann eine Insol­venz in Eigen­ver­wal­tung für sei­nen neuen Arbeit­ge­ber wählte, konnte er nicht nur den Gang in die Insol­venz im Auf­trag sei­nes ehe­ma­li­gen Arbeit­ge­bers pla­nen, son­dern auch die Zusam­men­set­zung des Gläu­bi­ger­aus­schus­ses beein­flus­sen.

Der Kre­dit der Bun­des­re­gie­rung half, das Bie­ter­ver­fah­ren um drei Monate zu ver­zö­gern und ermög­lichte es so der Luft­hansa, die Start- und Lan­de­rechte vor Ende des Ver­fah­rens teil­weise kos­ten­los zu über­neh­men.

Ein vom Bund ver­spro­che­ner geord­ne­ter Über­gang für Air Ber­lin und die dort Beschäf­tig­ten konnte durch den Kre­dit nicht erreicht wer­den.


Bild­nach­weis:

Air Ber­lin Gläu­bi­ger­ver­samm­lung © Lorenz Vos­sen / BM über Ber­li­ner Mor­gen­post

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